Der Servicegrad (auch: Lieferbereitschaftsgrad, englisch: Service Level) misst, wie zuverlässig Nachfrage aus dem Bestand bedient werden kann. Er ist die Kennzahl für das Versprechen an den Kunden: „Wenn du bestellst, können wir liefern.”
Vorsicht: mehrere Definitionen
Hinter „95 % Servicegrad” können sehr unterschiedliche Messungen stecken:
- Ereignisbezogen (Alpha-Servicegrad): Anteil der Perioden oder Bestellzyklen ohne Fehlmenge.
- Mengenbezogen (Beta-Servicegrad): Anteil der nachgefragten Menge, der sofort geliefert werden kann – meist die praxisrelevanteste Sicht.
- Auftragsbezogen: Anteil der Aufträge, die vollständig und termingerecht erfüllt werden (verwandt mit der Kennzahl OTIF – On Time In Full).
Wer Servicegrade vergleicht oder vereinbart, muss die Definition festlegen – sonst reden Vertrieb, Lager und Kunde aneinander vorbei.
Der Zielkonflikt
Höherer Servicegrad erfordert höhere (Sicherheits-)Bestände – und der Zusammenhang ist nicht linear: Der Sprung von 95 auf 98 % kostet ein Vielfaches des Sprungs von 90 auf 93 %. Die betriebswirtschaftliche Aufgabe ist deshalb nicht „maximaler Servicegrad”, sondern der bewusst gewählte Punkt zwischen Fehlmengenkosten (entgangene Umsätze, Vertragsstrafen, Kundenverlust) und Bestandskosten – gern differenziert nach Artikelklassen: A-Artikel 99 %, C-Artikel 90 %.
Messung
Gemessen wird der Servicegrad aus den Auftrags- und Bestandsdaten: nachgefragte vs. sofort lieferbare Mengen, vollständig erfüllte vs. rückständige Aufträge. Verlässlich ist die Messung nur mit sauberer Echtzeit-Bestandsführung – wer seine Bestände nicht kennt, kennt auch seine Lieferfähigkeit nicht.